Mitglieder
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- Bremer
Chancen, Risiken und City-Tourismus
Was erwartet den Handel in 2012
Nach ihren Einschätzungen für das Jahr 2012 befragt, standen sechs Vorstandsmitglieder der CityInitiative Rede und Antwort. Ihre Aussagen zu Chancen, Risiken und Erwartungen für das aktuelle Jahr spiegeln aktuelle Innenstadt-Themen, individuelle Wünsche, aber auch überregionale Trends der deutschen und auch der Weltwirtschaft wider. Aus aktuellem Anlass bewerteten die Befragten auch die Rolle des Tourismus für die Bremer Innenstadt und den hiesigen Handel.
Jutta Gaeth (Schnoor Handels Kontor/Wüste Stätte), Peter Schöler (Schuhhaus Wachendorf), Franz-Josef Pröll (Galeria Kaufhof), Carsten Meyer (H. W. Meyer), Jens Ristedt (Modehaus Ristedt) und Hartmut Roder (Überseemuseum) beantworteten die drei Fragen nach den Erwartungen für 2012.
Wie entwickelt sich Ihrer Meinung nach der Handel allgemein und in der Bremer City in 2012? Welche Tendenzen erwarten Sie für 2012?
Nach einem zufriedenstellenden Ergebnis aus dem vergangenen Jahr rechnen die meisten für 2012 mit einem Rückgang der Umsätze. Als Hauptgrund wird die Unsicherheit in Bezug auf die Euro-Entwicklung genannt, deren Auswirkungen alle als schwer einschätzbar bewerten. Kaufzurückhaltung oder hedonistische Konsumfreude scheinen nach Einschätzungen der Vorstandsmitglieder gleichermaßen wahrscheinliche Reaktionen der Kunden.
In Bezug auf die Bremer Innenstadt hoffen und warten die meisten auf neue Schritte in Richtung Innenstadtkonzept. Einmal mehr werden fehlende Laufbeziehungen und die unausgewogene Sortimentsstruktur der City (Stichwort Filialisierung) als Problemfelder genannt. Carsten Meyer sieht in diesem Punkt eine Lösung: „Aufgrund des knappen Raumangebotes und zum Teil für den mittelständischen Inhaber geführten Einzelhandel unbezahlbare Mieten bleibt die Hoffnung, dass Nebenlagen wie Wall und Knochenhauerstraße Anschluss an das Konsum-L Obern- und Sögestraße finden.“ Jens Ristedt setzt zusätzlich auf das Service-Plus „Insbesondere der engagierte und wertschätzende Umgang mit dem Kunden wird erfolgsentscheidend sein.“
Welche Risiken sehen Sie für den Handel in 2012?
In den Antworten zu dieser Frage dominiert die Eurokrise als große Unbekannte in Bezug auf die Wirtschaft im Allgemeinen und den Bremer Handel im Speziellen. Während wachsende Beschäftigungszahlen und „krisenbedingte konsumfreundliche Stimmung“ (Roder) Anlass zur Hoffnung auf gute Ergebnisse geben, bleiben weltwirtschaftliche Entwicklungen weiter in ihrem Ausmaß nicht einschätzbar.
Den Innenstadthandel sehen die meisten aber eher durch andere Probleme bedroht. Umweltzone und Internethandel werden dabei am häufigsten genannt. Während ersteres als „hausgemacht“ (Schöler) und darum im Prinzip leicht zu lösen gesehen wird, bedarf letzteres einer Lösung zur deutlichen Attraktivitätssteigerung, die via Marketing auch verbreitet werden muss. „Sonst wird die Verlagerung der städtischen Kerne weiter z. B. in Richtung Überseestadt usw. gehen und die dortigen, sich konsolidierenden Einzelhandelsstandorte stärken“, befürchtet Hartmut Roder. Das sieht Jens Ristedt ähnlich: „Ein kreatives City-Marketing, eine gute Innenstadt-Erreichbarkeit und eine attraktives, gutes Angebot müssen dem entgegenstehen.“
Die aktuellen Statistiken der BTZ verzeichnen für das vergangene Jahr einen Zuwachs der Touristenzahlen. Wie schätzen Sie die Bedeutung des Tourismus für den Handel ein? Bemerken Sie selbst einen Anstieg auswärtiger Kunden?
Jutta Gaeth bezeichnet die Bedeutung des Tourismus für den Bremer Handel als „immens“ und verweist, wie andere Befragte auch, auf den Zuwachs ausländischer Touristen durch Ryanair. Sie beobachtete allerdings im vergangenen Jahr den Rückgang niederländischer Besucher und vermutet die Ursache in der Verunsicherung von Busreiseunternehmen, die Bremen aufgrund der Plakettenproblematik als Ziel nicht mehr anbieten.
Den Anstieg ausländischer Besucherzahlen verzeichnen alle Befragten für die letzten Jahre. Dennoch sehen die meisten diesen Trend nicht als Selbstläufer, sondern durchaus auch als fragile Entwicklung, die von ganz verschiedenen Einflüssen gesteuert wird: vom milden Winterwetter, das die Besucherzahlen des letzten Weihnachtsmarktes sinken ließ, bis zur Gestaltung der Flugpläne von Ryanair. Hoffnungen auf einen deutlichen Anstieg der Besucherzahlen verbindet man auch mit besonderen Events, „z. B. durch die Feierlichkeiten zum 400-jährigen Bestehen der Renaissance-Fassade unseres Rathauses“ (Pröll).
Doch auch zum Thema Tourismus bleibt die Entwicklung der Bremer Innenstadt eine wichtige Komponente. Nicht steuerbare Einflüsse, wie die Einführung von Flugverkehrsabgaben, können den touristischen Strom schnell abreißen lassen. Hartmut Roder gibt zu bedenken, dass Besucher aus anderen deutschen Städten nur kommen, wenn sie in Bremen etwas Einzigartiges finden. Das betrifft die Geschäfte, aber auch Events. Die zu fördern und ehrlich zu kommunizieren, sei eine wichtige Aufgabe: „Bremen ist aber weder Hamburg noch Brügge, d. h. ein realistischer Blick aufs echte Potenzial sollte vor Höhenflügen schützen. Die baulich-geografischen Voraussetzungen als Hansestadt sind vorhanden – nur die Bespielung ist nicht konsequent.“




