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Verdichtung statt Expansion
Stadtentwicklung nach innen
In den vergangenen Jahrzehnten hat sich der Bremer Stadtraum immer weiter ausgedehnt. Der Preis für diese Art der Raumgewinnung für Wohnen und Gewerbe ist allerdings hoch, denn neu erschlossene Flächen auf der grünen Wiese müssen infrastrukturell angebunden werden. Allein das Verkehrsnetz daran anzupassen, bedeutet einen immensen Einsatz finanzieller Mittel. Dieser Grund und weitere sprechen seit einigen Jahren für eine Bremer Stadtentwicklungspolitik, die sich von der Expansion verabschiedet hat und stattdessen auf eine Verdichtung in den bestehenden Stadtteilen setzt. Senatsbaudirektor Franz-Josef Höing erläutert, welche Chancen die Innenentwicklung bietet und wie die Bremer City davon profitiert.
Als aktuelles Beispiel lässt sich die Mitte Januar angekündigte Neubebauung einer Fläche in Horn nennen, die privat finanziert von der urbanen Brache in ein hochwertiges neues Wohnquartier (Mühlenviertel) entwickelt wird. Denn „Innenentwicklung heißt nicht, sich nur auf den Kern der Stadt zu konzentrieren“, so Höing, der seine Positionen zum Thema gerade für einen Buchbeitrag zusammengefasst hat.
Der Senatsbaudirektor nennt Blumenthal, Woltmershausen, Huckelriede und Findorff als Stadtteile mit deutlichem Entwicklungspotenzial. Hier stehen aussichtsreiche Flächen zur Verfügung, die entweder durch den Wegzug von Industriebetrieben oder andere Formen der Nachnutzung neu entwickelt werde können. Aber auch citynahe Lagen wie das Areal des Klinikums Bremen-Mitte oder die Bahnhofsvorstadt bieten aus stadtplanerischer Sicht Raum für neue Quartiere, die exakt am Bedarf orientiert mit einem Mix aus Wohnen, Einzelhandel und Dienstleistung gestaltet werden können. „Lückenschließungen“ und „Aufstockungen“ sind weitere Stichworte, die im Rahmen einer Entwicklung von Bedeutung sind.
Die Überseestadt bleibt das größte und prominenteste Bremer Beispiel einer Stadtentwicklung, die sich auch in größeren Dimensionen innerhalb ihrer Grenzen bewegt. Ihre Erschließung als attraktiver, moderner Stadtteil, der inzwischen alle Besatzarten in sich vereint, wirkt sich außerdem positiv auf andere Lagen aus. So konnte das Stephani-Viertel als Brücke zwischen City und Überseestadt an Aufmerksamkeit gewinnen und wurde dadurch selbst als Lage mit hohem Entwicklungspotenzial interessant.
Die derzeitige Arbeit an einem Gesamtkonzept für die Bremer Innenstadt, das auch die Bahnhofsvorstadt sowie die vordere Neustadt einbezieht, orientiert sich ebenfalls an der übergeordneten Stadtentwicklungspolitik. Während viele gespannt auf konkretere Pläne für die Erweiterung der Einzelhandelsverkaufsfläche warten, verweist Franz-Josef Höing darauf, dass das Gesamtkonzept weit mehr umfassen muss als den Bau eines Einkaufscenters: Es gehe „ganz und gar nicht um eine klassische Einzelhandelsentwicklung im großen Stil und unter großem Dach, sondern um eine auch stadträumlich passgenaue kleinteiligere Entwicklung, die die bestehenden Lagen ergänzt, Läufe abrundet, öffentliche Räume respektiert und sich an diese adressiert“. Dass in der Bahnhofsvorstadt bereits ein wichtiger konkreter Schritt in diese Richtung unternommen wird und hier demnächst die Umsetzung an zwei markanten Punkten (Bahnhofstraße/Ecke Herdentorsteinweg und Bahnhofsvorplatz) beginnt, sollte nicht vergessen werden. Schließlich entstehen dort Einzelhandel und eine aufgewertete Wegebeziehung zwischen Bahnhof und dem Innenstadtkern.
Abschließend gibt der Senatsbaudirektor zu bedenken, dass privatwirtschaftliches Engagement in den kommenden Jahren immer wichtiger werden wird, da sich Bremen kein neuerliches Investitionsprogramm Innenstadt leisten kann. „Es gilt vielmehr, die Aufgaben anders zu verteilen. Das BID im Ansgariquartier mag hier einen ersten Hinweis geben können.“ Die Stadt im Innern zu entwickeln, ist also nicht nur eine Maxime Bremer Stadtentwicklungspolitik, sondern auch eine Aufforderung zu selbstbewusstem Engagement der Akteure in ihrem eigenen Quartier.




