Vielfalt der Cityvorhaben ist klasse: positive Stimmung bei der Innenstadtwirtschaft

Fragen an Dr. Halves, Geschäftsführer der CityInitiative

VIELFALT DER CITYVORHABEN IST KLASSE: POSITIVE STIMMUNG BEI DER INNENSTADTWIRTSCHAFT

Fragen an Dr. Jan-Peter Halves, Geschäftsführer der CityInitiative Bremen Werbung e.V.

Die aktuellen Entwicklungen in der Bremer Innenstadt lassen positiv aufhorchen, viele Projekte laufen derzeit parallel: Neubau des Jacobs-Hofs zwischen Obernstraße und Langenstraße, Neubau des Geschäftshauses Am Wall 157-161, Projektierung für das Sparkassenareal am Brill, Vergabe des Lloydhofes an den Immobilienentwickler denkmalneu, Verkauf des Bremer Carrés an die Warburg-HIH Invest und die Quest Management GmbH und nicht zuletzt die Pläne für das Parkhaus Mitte mit den angrenzenden Warenhausstandorten. 

Die Bremer Innenstadt ist in Bewegung und das ist gut so. Der Standort wird weiter wachsen im Hinblick auf Verkaufsflächen im Einzelhandel, Gastronomieangebote und die urbane Attraktivität. Als touristische Destination wird die City immer beliebter. Die Perspektive ist gut, der richtige Weg eingeschlagen.

Der Bremer Projektentwickler Kurt Zech hat über den Weser Kurier im Juli 2017 Pläne vorgestellt, das Parkhaus Mitte der BREPARK zu kaufen. Sein Plan sieht demnach vor, das Parkhaus abzureißen und damit neue Laufwege und eine erweiterte Fußgängerzone zu schaffen. Denken Sie, dass dieser Plan die Innenstadt attraktiver machen wird?

Dr. Halves: Eine so lebhafte, positive Diskussion zur Zukunft unserer Bremer Innenstadt hat es seit langem nicht gegeben. Dies führt zu einer Aufbruchsstimmung und verspricht große Chancen. Sie zeigt wie viel Potential und Zukunft in unserer Bremer Innenstadt steckt. Die City hat einen guten Lauf, bisher 30 Geschäftseröffnungen im Jahr 2017 sprechen eine klare Sprache. Freie Flächen stehen fast nicht mehr zur Verfügung. Die Innenstadt benötigt weitere gute Geschäftslagen und ein größeres, engeres Netz an Fußgängerzonen sowie interessante und spannende Wegebeziehungen mit attraktiven Angeboten. 

Die Pläne von Kurt Zech passen ebenso wie die Vorhaben der Familie Jacobs in der Obernstra-ße/Langenstraße und die Aktivitäten von Thomas Stefes rund um die Markthalle ideal in die seit Jahren von der CityInitiative formulierten Kernforderungen: Schaffung von Rundläufen, Vernetzung der jeweiligen Stadtquartiere und Ausbau von attraktiven Geschäftslagen. Aus Sicht der Innenstadtwirtschaft ist dabei immer auch an einer hohen Aufenthaltsqualität der Innenstadt zu arbeiten: u.a. Begrünung, Sitzmöglichkeiten, Sauberkeit, Sicherheit, WLAN und Freiräume. Innenstadt ist viel mehr als Einkaufen: Kultur, Freizeit, Wohnen, Dienstleistungen und sozialer Austausch.

Wie positionieren sich die betroffene Innenstadtwirtschaft, die Einzelhändler, Gastronomen und Immobilienbesitzer zu den Plänen der Zech Group?

Dr. Halves: Wir hören überall viel Interesse und eine positive Grundtendenz. Welcher Händler oder Gastronom durch die Projektierung in welcher Form betroffen sein wird, ist aktuell noch nicht abzusehen. Es geht ja nicht darum, alle bestehenden Immobilien großflächig abzureißen, sondern die Verkaufslagen sinnvoll miteinander zu vernetzen, neue Wegebeziehungen zu schaffen und eben die heutigen Parkflächen im Parkhaus Mitte für den Einzelhandel zu erschließen.

Eine große zentrale Baustelle in der Stadt ist zunächst eine Belastung, doch allen Beteiligten ist auch klar, dass sich die Bremer Innenstadt danach deutlich aufgewertet präsentieren wird. Investitionen in ein Quartier ziehen weitere Umbaumaßnahmen und Renovierungen in den Nachbargebäuden des Quartiers nach sich. Die Aufwertung der Einzelhandelsimmobilien wird Flächen für spannende Marken und neue Einzelhandelsformate bieten, die noch mehr Kunden aus Bremen wie auch aus dem Umland für die City begeistern.

Sollte der Plan von Kurt Zech umgesetzt werden, müssen die rund 1.000 Parkplätze des Parkhauses Mitte an anderer Stelle realisiert werden. Welcher Ort wäre hierfür geeignet?

Dr. Halves: Die CityInitiative Bremen fordert eine zeitnahe Überarbeitung des Parkraumkonzeptes. Dies ist nicht nur notwendig um Kompensationsflächen für einen möglichen Abriss des Parkhauses Mitte festzulegen, ebenso ergibt sich diese Aufgabe durch die Neuplanungen für das Sparkassenareal – auch dort steht ein Parkhaus. Wichtig ist, dass in einem ersten Schritt die neuen Stellflächen geschaffen werden, bevor in einem zweiten Schritt die bestehenden Stellplätze zurückgebaut werden. Wir müssen als Stadtgesellschaft die Verkehrserfordernisse der Zukunft klären, da gehört der Parkraum dazu. Auch Elektrofahrzeuge brauchen Stellplätze und fahren auf der Straße. Wir brauchen auch zukünftig Parkplätze in der ungefähren Anzahl von heute die zentral gelegen sind, aber keine Fußgängerläufe zerschneiden. Die Umbauten machen die Bremer City viel attraktiver, dies wird unseren Einzugsbereich deutlich vergrößern. Gerade für die Umlandkunden ist eine gute verkehrliche Erreichbarkeit mit dem PKW wichtig.

Der Lloydhof-Verkauf ist auf der Zielgeraden, der Verkauf an den Immobilienentwickler denkmalneu wird voraussichtlich im Herbst abgewickelt und eine Lieferung der Immobilie zum 31.12.2017 erfolgen. Welche zusätzlichen Potenziale kann dieses Projekt für die Entwicklung des Einzelhandels bereithalten?

Dr. Halves: Das citylab im Lloydhof – unser Gründerzentrum für Einzelhändler – ist eine Erfolgsgeschichte. Anfang August sind zwei neue Gründerkonzepte zeitgleich (Dekoration, Möbel) gestartet. Trotzdem ist allen Beteiligten klar, das citylab ist ein Einzelhandelsinkubator auf Zeit. Alle Verträge sind bis 30.6.2018 befristet. 

Wir freuen uns auf eine zeitnahe Umgestaltung des Lloydhofs. Private Projektentwickler sind in aller Regel die besseren Sachverwalter für eine zügige Bauumsetzung und für erfolgversprechende Konzepte. In einem breit besetzten Expertenkreis wurde 2016 ein Handlungsrahmen für die spätere Nutzung der Immobilie aufgespannt. Jetzt sind wir sehr gespannt, was Bremen an diesem Schlüsselgrundstück in rund zwei Jahren entdecken kann.

Müssen die Projekte in gegenseitiger Absprache koordiniert werden, sodass die Bremer Innenstadt den größtmöglichen Nutzen erfahren kann?

Dr. Halves: Bremen ist nicht New York und die Akteure kennen sich untereinander. Daher müssen auch nicht alle Konzepte kompliziert gegenseitig abgestimmt und auf Gleichklang gebürstet werden. Die verschiedenen Projekte werden sich gegenseitig befruchten, für Spannung und für attraktive Rundläufe sorgen. Kein Projekt „wartet“ auf ein anderes. Der Blick auf die projektübergreifenden Zusammenhänge ist sinnvoll, aber in der Abarbeitung ist die Einzelumsetzung am effektivsten und bringt eine gute und interessante Mischung hervor, die der Innenstadtkunde schätzt.

Eine gute verkehrliche Erreichbarkeit der City ist die Voraussetzung für einen nachhaltigen Er-folg. Die Zeitpläne der Baumaßnahmen und die dazugehörige Baustellenlogistik müssen frühzeitig abgestimmt werden. Ein professionelles Baustellenmarketing sorgt für eine gute Akzeptanz und Information der Innenstadtbesucher und der Anlieger. Der bauliche Rahmen ist über das Innenstadtkonzept „Bremen 2025“, den Verkehrsentwicklungsplan und die bestehenden Bebauungspläne gesichert.

Eine Stadt sollte nur den Rahmen vorgeben, um viel Kreativität zuzulassen. Die große Bandbreite an neuen Projekten in Kombination mit der hohen Aufenthaltsqualität in der City, man denke nur an die Schlachte, unseren Marktplatz oder die City Sandkästen auf dem Ansgarikirchhof, machen die Bremer Innenstadt noch begehrlicher.

Die Verlegung des Parkhauses Mitte bzw. einer Umnutzung des Parkhauses Katharinenstraße bieten Potential für eine Erweiterung der Fußgängerzone. Welches Potential steckt in einer solchen Erweiterung?

Dr. Halves: Die Überlegungen zur mittelfristigen Verlegung des Parkhauses Mitte eröffnen die Chance die Bereiche Schüsselkorb, Knochenhauerstraße, Carl-Ronning-Straße, Pelzerstraße und Wegesende verkehrsberuhigt den Fußgängern, Radfahrern und im Schüsselkorb auch dem ÖPNV vorzubehalten. Eine Umnutzung des Parkhauses Katharinenstraße für Anlieger/Dauerparker bzw. in den oberen Etagen für spektakulären Wohnungsbau erlaubt den Schüsselkorb ebenfalls weitgehend vom motorisierten Individualverkehr zu befreien. Die Geschäftslage Wall würde an das Passagenviertel heranwachsen. Das Wegebeziehungsnetz erführe eine Aufwertung von Einzelhandelslagen, die momentan nur unzureichend in den Lauf eingebunden sind. Hier steckt viel Potential drin für einen großen Sprung nach vorn in Sachen Lauflagen und Aufenthaltsqualität.

Die aktuelle Broschüre der CityInitiative zu den Bauvorhaben der Innenstadt finden Sie hier zum Download.