Vielfalt der Cityvorhaben ist klasse: positive Stimmung bei der Innenstadtwirtschaft

Fragen an Dr. Halves, Geschäftsführer der CityInitiative

Vielfalt der Cityvorhaben ist klasse: positive Stimmung bei der Innenstadtwirtschaft

Die aktuellen Entwicklungen in der Bremer Innenstadt lassen positiv aufhorchen, viele Projekte laufen derzeit parallel: Neubau des Jacobs Hofs zwischen Obernstraße und Langenstraße, Neubau des ehemaligen Harms-Gebäudes am Wall , Projektierung für das Sparkassenareal am Brill, Vergabe des Lloydhofes, der aktuelle Verkauf des Bremer Carré und nicht zuletzt die Pläne für das Parkhaus Mitte mit den angrenzenden Warenhausstandorten. Die Bremer Innenstadt ist in vitaler Bewegung und das ist gut so. Der Standort wird weiter wachsen im Hinblick auf Verkaufsflächen im Einzelhandel, Gastronomieangeboten und die urbane Attraktivität. Als touristische Destination wird die City immer beliebter. Die Perspektive ist gut, der richtige Weg eingeschlagen.

Der Bremer Projektentwickler Kurt Zech hat über den Weser Kurier im Juli 2017 Pläne vorgestellt, das Parkhaus Mitte der BREPARK zu kaufen. Sein Plan sieht demnach vor, das Parkhaus abzureißen und damit neue Laufwege und eine erweiterte Fußgängerzone zu schaffen. Wenn dem so ist: Denken Sie, dass dieser Plan die Innenstadt attraktiver machen wird?

Dr. Halves: Eine so lebhafte, positive Diskussion zur Zukunft unserer Bremer Innenstadt hat es seit langem nicht gegeben. Dies führt zu einer Aufbruchsstimmung und verspricht große Chancen. Sie zeigt wie viel Potential und Zukunft in unserer Bremer Innenstadt steckt. Die City hat einen guten Lauf, bisher 30 Geschäftseröffnungen im Jahr 2017 sprechen eine klare Sprache. Freie Flächen stehen fast nicht mehr zur Verfügung. Die Innenstadt benötigt weitere gute Geschäftslagen und ein größeres, engeres Netz an Fußgängerzonen, Wegebeziehungen und weitere attraktive Angeboten. Daher passen die Pläne von Kurt Zech ideal in die seit Jahren von der CityInitiative formulierten Kernforderungen: Schaffung von Rundläufen, Vernetzung der jeweiligen Stadtquartiere und Ausbau von attraktiven Geschäftslagen. Aus Sicht der Innenstadtwirtschaft ist dabei immer auch an einer hohen Aufenthaltsqualität in der Innenstadt zuarbeiten: u.a. Begrünung, Sitzmöglichkeiten, Sauberkeit und Sicherheit, WLAN und Freiräume.

Wie positioniert sich die betroffene Innenstadtwirtschaft dazu, die Einzelhändler, Gastronomen und Immobilienbesitzer?

Dr. Halves: Wir hören überall viel Interesse und eine positive Grundtendenz. Welcher Händler oder Gastronom durch die Projektierung in welcher Form betroffen sein wird, ist aktuell noch nicht abzusehen. Eine große zentrale Baustelle in der Stadt ist zunächst eine Belastung, doch allen Beteiligten ist auch klar, danach wird die Bremer Innenstadt sich deutlich aufgewertet präsentieren. Investitionen in ein Quartier ziehen weitere Umbaumaßnahmen und Renovierungen in den Nachbargebäuden des Quartiers nach sich. Sehr positiv können wir das aktuell in der Bahnhofsvorstadt beobachten.

Sollte der Plan von Kurt Zech umgesetzt werden, gingen rund 1.000 Parkplätze im Parkhaus Mitte verloren. Würden Innenstadt-Besucher in diesem Fall überhaupt noch genügend nahegelegene Parkmöglichkeiten vorfinden – und wenn ja, wo?

Dr. Halves: Die CityInitiative Bremen fordert eine zeitnahe Überarbeitung des Parkraumkonzeptes. Dies ist nicht nur notwendig um Kompensationsflächen für einen möglichen Abriss des Parkhauses Mitte festzulegen, ebenso ergibt sich diese Aufgabe durch die Neuplanungen für das Sparkassenareal – auch dort steht ein Parkhaus. Wichtig ist, dass in einem ersten Schritt die neuen Stellflächen geschaffen werden, bevor in einem zweiten Schritt die bestehenden Stellplätze zurückgebaut werden. Wir müssen als Stadtgesellschaft die Verkehrserfordernisse der Zukunft klären, dazu gehört der Parkraum dazu. Auch Elektrofahrzeuge brauchen Stellplätze und fahren auf der Straße. Wir brauchen auch zukünftig Parkplätze in der ungefähren Anzahl von heute, zentral gelegen, aber eben nicht in der Fußgängerzone sondern am Rande derselben.

Daneben gibt es auch Bewegung beim Lloydhof-Verkauf, die Ausschreibung ist abgeschlossen und Kaufangebote liegen bei der Wirtschaftsförderung vor. Im Herbst 2017 könnte ein Verkauf abgewickelt sein und eine Lieferung der Immobilie zum 31.12.2017 erfolgen. Welche zusätzlichen Potenziale können diese Projekte für die Entwicklung des Einzelhandels bereithalten?

Dr. Halves: Das citylab im Lloydhof – unser Gründerzentrum für Einzelhändler – ist eine Erfolgsgeschichte, gerade zum Ende der Sommerferien starten drei neue Gründerkonzepte fast zeitgleich (Dekoration, Möbel und Gastronomie). Trotzdem war allen Beteiligen klar, das citylab ist ein Einzelhandelsinkubator auf Zeit. Alle Verträge sind bis 30.6.2018 befristet. Nach dem Zuschlag an einen Investor freuen wir uns auf eine zeitnahe Umgestaltung des Lloydhofs. Private Projektentwickler sind in aller Regel die besseren Sachverwalter für eine zügige Bauumsetzung und erfolgversprechende Konzepte. In einem breitbesetzten Perspektivkreis wurde im Jahr 2016 ein Handlungsrahmen für die späteren Nutzung der Immobilie aufgespannt, jetzt sind wir sehr gespannt, was Bremen an diesem Schüsselgrundstück in rund zwei Jahren entdecken kann.

Müssen die Projekte in gegenseitiger Absprache koordiniert werden, sodass die Bremer Innenstadt den größtmöglichen Nutzen erfahren kann?

Dr. Halves: Bremen ist nicht New York und daher kennen sich die Akteure hier. Daher müssen auch nicht alle Konzepte kompliziert gegenseitig abgestimmt und auf Gleichklang gebürstet werden. Die verschiedenen Projekte werden sich gegenseitig befruchten, für Spannung und für attraktive Rundläufe sorgen. Wichtig ist, dass die Projekte sich nicht gegenseitig blockieren sondern jedes für sich im eigenen Tempo angegangen wird. Der Blick auf die projektübergreifenden Zusammenhänge ist sinnvoll, aber in der Abarbeitung ist die Einzelumsetzung am effektivsten und bringt eine gute und interessante Mischung hervor, die der Innenstadtkunde schätzt.

Darüber hinaus ist eine gute verkehrliche Erreichbarkeit die Voraussetzung für einen nachhaltigen Erfolg. Der bauliche Rahmen ist über das Innenstadtkonzept „Bremen 2025“, den Verkehrsentwicklungsplan und die bestehenden Bebauungspläne gesichert.

Eine Stadt sollte nur den Rahmen vorgeben, um viel Kreativität zuzulassen. Eine Vielfalt an Entwicklern bringt einen spannenden großstädtischen Mix hervor. Die große Bandbreite an neuen Projekten in Kombination mit der hohen Aufenthaltsqualität in der City, man denke nur an die Schlachte, unseren Marktplatz oder die City Sandkästen auf dem Ansgarikirchhof, machen die Bremer Innenstadt noch begehrlicher.